Vize-Europameisterin und gutes Abitur? Für Judoka Sara-Joy Bauer ist das kein Widerspruch

Die 19-Jährige wurde für ihre herausragenden schulischen und sportlichen Leistungen zur Stuttgarter Eliteschülerin des Sports 2025 gewählt. Ihre nächsten Ziele: Psychologie studieren – und 2028 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles antreten.

„Ich möchte mit Judo aufhören“ – mit diesem Satz stand Sara-Joy Bauer als Kind viele Male vor ihrem Trainer. Der überzeugte sie, an einem Gruppenwettkampf teilzunehmen. Mit gelbem Gürtel traf sie auf eine Judoka, deren Gürtelfarbe drei Ränge höher war. Sie gewann – und dachte seitdem nicht mehr ans Aufhören.

Heute gehört die 19-Jährige zum Team Los Angeles am Olympiastützpunkt Stuttgart. 2024 sicherte sie sich bei den Europameisterschaften U 21 in Tallinn (Estland) die Goldmedaille. 2025 gewann sie in Bratislava (Slowakei) Silber und legte gleichzeitig an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule erfolgreich ihr Abitur ab.

Ein gutes Abitur schreiben und gleichzeitig Vizeeuropameisterin U21 werden? Judoka Sara-Joy Bauer ist das gelungen. Für ihre bemerkenswerte Leistung wurde sie zur Stuttgarter Eliteschülerin des Sports 2025 gewählt. Sparkassenpräsident Dr. Matthias Neth überreichte im März 2026 die Urkunde.

Abitur trotz 93 Fehltagen

Normalerweise fokussieren sich Schülerinnen und Schüler in den letzten Monaten vor dem Abitur auf die Prüfungen. Sara-Joy Bauer hingegen fehlte an 93 Tagen im Unterricht. Trotzdem schrieb sie ein gutes Abitur. Wie das möglich ist? „Geduld und Disziplin“, antwortet sie. „Man kann nicht immer alles sofort haben. Aber wenn man diszipliniert bei der Sache bleibt, kann viel gelingen.“

Das fest geknüpfte Netzwerk der sieben Stuttgarter Eliteschulen des Sports war für sie dabei enorm hilfreich. Hier arbeiten Lehrerkräfte, Trainerteam sowie Laufbahnberaterinnen und Laufbahnberater Hand in Hand, um Schule und Leistungssport vereinbar zu machen. Der Sparkassenverband Baden-Württemberg unterstützt dieses Netzwerk seit vielen Jahren.

Warum Sport-Sponsoring so wichtig ist

„Ohne Sponsoren im Sport geht es nicht. Das ist einfach so. Deshalb sind wir für die Unterstützung der Sparkassen-Finanzgruppe sehr dankbar“, betonte Theresa Schopper, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, bei der Preisverleihung. Mit rund 100 Millionen Euro ist die Gruppe der größte nichtstaatliche Förderer im Sport. Wichtig ist dabei die Mischung: „Wir fördern den Breitensport genauso wie den Spitzensport – den Verein vor Ort ebenso wie die Eliteschulen des Sports“, so Sparkassenpräsident Dr. Matthias Neth. „Natürlich freuen wir uns besonders, wenn wir zu solchen Erfolgsgeschichten wie der von Sara-Joy Bauer beitragen können.“

„Ohne Sportförderung geht es nicht“, erklärte Ministerin Theresa Schopper bei der Spendenübergabe. Judoka Sara-Joy Bauer nahm den symbolischen Spendenscheck stellvertretend für die sieben Stuttgarter Eliteschulen des Sports entgegen, v. l.: Sparkassenpräsident Dr. Matthias Neth, Judoka Sara-Joy Bauer, Laufbahnberater Sascha Molt und Internatsbetreuerin Milena Schneider vom Olympiastützpunkt Stuttgart, Theresa Schopper, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport (BW)

Hinter den Eliteschülerinnen und -schülern des Sports stehen viele Menschen. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Talente wie Sara-Joy Bauer sich bestens entwickeln können, v. l. Laufbahnberater Sascha Molt, Angelika Draudt, Abteilungsleiterin an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, Sparkassenpräsident Dr. Matthias Neth, Judoka Sara-Joy Bauer mit ihrer Mutter, Ministerin Theresa Schopper, Schulleiterin Birgit Jäger-Gollwitzer, Sportkoordinator Matthias Adis und Internatsbetreuerin Milena Schneider. 

Alltag im Minutentakt

Sara-Joy Bauers Tagesablauf war in den beiden letzten Schuljahren bis auf die Minute geplant: Frühtraining, Unterricht, Nachmittagstraining, Krafttraining. Erst danach war Zeit für Hausaufgaben und Klausurvorbereitungen. 

Ihre Lehrerinnen und Lehrer stellten ihr auf der Unterrichtsplattform Moodle Arbeitsblätter zur Verfügung, die sie am Abend bearbeitete. Laufbahnberater Sascha Molt sorgte in Absprache mit Sportkoordinator Mattias Adis dafür, dass wichtige Unterrichtsstunden erst nach dem Frühtraining stattfanden und dass Sara-Joy Bauer Klausuren nachschreiben konnte.   

„Wir versuchen den Athletinnen und Athleten auf jede Weise den Rücken freizuhalten“, sagt Sportkoordinator Matthias Adis. „So können sie sich ganz auf Wettkämpfe und Klausuren fokussieren.“ Er liebt seinen Job: „Für mich ist es ein Privileg mit Persönlichkeiten wie Sara-Joy zusammenzuarbeiten.“

Mit psychischer Stärke zum Ziel

Laufbahnberater Sascha Molt empfindet es ähnlich: „Sara-Joy bringt eine enorme mentale Stärke mit“, bemerkt er. „Das ist wichtig, denn Athleten brauchen Kraft, um nach einem schlechten Wettkampf, einer Verletzung oder einer schweren Erkältung wieder zurückzukommen.“ Die Judoka weiß diese Unterstützung zu schätzen: „Die Anerkennung und Begeisterung des Netzwerks haben mich enorm gepusht. Das hat mir gutgetan.“

Ein starkes Team im Rücken: Sara-Joy Bauer konnte sich auf das Netzwerk der Eliteschulen des Sports verlassen.

Größtes Ziel: Team D 2028

Nachdem dem Abitur startet die 19-Jährige nun im Mai als Sportsoldatin. Parallel bereitet sie sich auf den Einstufungstest im Studienfach Psychologie vor. Und dann ist das noch das große Ziel: Los Angeles 2028.

Sparkassenpräsident Dr. Matthias Neth drückte zum Abschied fest die Daumen: „Man sieht man sich wieder“ sagte er und spielte damit auf die Olympischen Spiele an. Denn die Sparkassenfinanzgruppe ist in LA 2028 natürlich dabei. Sie gehört dann wieder zu den Hauptsponsoren von Team D.

Wie fördern Eliteschulen des Sports Talente?

Unterricht und Training werden in den Eliteschulen des Sports minutiös aufeinander abgestimmt. Durch flexible Unterrichtszeiten, individuelle Lernbetreuung und Nachholmöglichkeiten können junge Talente trainingsbedingte Fehlzeiten ausgleichen. Eliteschulen des Sports sind damit ein wesentlicher Bestandteil der Nachwuchsförderung. 

Wie viele Eliteschulen des Sports gibt es?

Bundesweit gibt es 43 Eliteschulen des Sports, davon sieben in Baden-Württemberg: in Freiburg, Furtwangen, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart und Tauberbischofsheim. Stuttgart spielt dabei eine Sonderrolle: Hier gibt es einen Eliteschulverband, dem der Olympiastützpunkt sowie sieben allgemeinbildende Schulen angehören: die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule (Stuttgart Ost), die Linden-Realschule (Stuttgart Untertürkheim), die Merz-Privatschule (Stuttgart Ost), das Schickhardt-Gymnasium (Stuttgart West), das Wirtemberg-Gymnasium (Stuttgart-Untertürkheim), das Gustav-Stresemann-Gymnasium (Fellbach-Schmiden) sowie das Otto-Hahn-Gymnasium (Ludwigsburg).

Wer wird Eliteschüler/Eliteschülerin des Sports?

Jede der 43 Eliteschulen des Sports in Deutschland wählt jährlich einen Eliteschüler bzw. eine Eliteschülerin. Die Wahl versteht sich als Auszeichnung für die jungen Sportprofis. Zugleich sind sie als Persönlichkeiten Vorbilder für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. In Stuttgart wurde 2025 die Judoka Sara-Joy Bauer zur Eliteschülerin des Sports gewählt. Ein gutes Omen: Viele ehemalige Eliteschüler des Sports haben bei Olympischen Spielen Medaillen gewonnen.

Warum sind Eliteschulen des Sports so wichtig?

Selbst erfolgreiche Sportkarrieren enden in der Regel zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Anders als z. B. in den USA können Profisportlerinnen und -sportler in Deutschland in der Regel nicht vom Sport leben. Bereits junge Athletinnen und Athleten benötigen deshalb ein zweites berufliches Standbein. Die Voraussetzung dafür ist ein anerkannter Bildungsabschluss. Die Eliteschulen des Sports unterstützen die jungen Talente dabei, ihre sportliche Karriere mit einer erfolgreichen schulischen Karriere zu verbinden. 

Wie fördert die Sparkassen-Finanzgruppe die Eliteschulen des Sports?

Mit rund 100 Millionen Euro jährlicher Förderung ist die Sparkassen-Finanzgruppe der größte nicht-staatliche Sportförderer in Deutschland. Sie unterstützt sowohl den Spitzen- wie den Breitensport. Das Engagement für den Sport – regional wie national – gehört seit jeher zum Selbstverständnis der Sparkassen-Finanzgruppe und bildet einen Schwerpunkt ihres gesellschaftlichen Einsatzes. 

Besonderes Augenmerk richtet die Sparkassen-Finanzgruppe auf die Nachwuchsförderung, indem sie junge Sporttalente langfristig und systematisch in ihrer gesamten Entwicklung unterstützt und begleitet. Dazu zählt auch die finanzielle Förderung der bundesweit 43 Eliteschulen des Sports, die die Sparkassen-Finanzgruppe mit insgesamt 331.100 Euro unterstützt.

Was der Sparkassenverband Baden-Württemberg für die Eliteschulen des Sports tut


Der Sparkassenverband Baden-Württemberg erhöht diese Summe durch eine Zusatzförderung: Aufgrund seiner Größe erhält der Eliteschulverband Stuttgart weitere 9.500 Euro. Die Eliteschulen des Sports nützen diese Spende für Anschaffungen und Investitionen.

Fotos: Franziska Kraufmann